Erfurter Albereien

Bisweilen werde ich auf meiner Facebook-Seite aufgefordert, mich in nicht allzu geringen Abständen über Aktuelles zu äußern. Das tue ich gerne. Allerdings ist Befassung mit aktueller Politik nur ein Nebengleis meiner Tätigkeit und steht hinter meiner wissenschaftlichen Arbeit zurück. Die dreht sich derzeit, nach Erscheinen meines neuen 553 Seiten-Bandes über „Deutsche und ihr demokratisches Land. Herausforderungen und Antworten, Baden-Baden 2018, Ergon-Verlag) und der Abfassung verschiedener Beiträge zu Sammelbänden über „Direkte Demokratie“ und „Mehrheitsprinzip“, vor allem um die Auswertung des neuen – gemeinsam mit meinem Mitarbeiter Dr. Meißelbach im Auftrags des Sächsischen Ausländerbeauftragten durchgeführten – „Heim-TÜVs“ zu den Flüchtlingsunterkünften im Freistaat Sachsen.

Also kann ich hier weitestgehend nur „zweitverwerten“, was ich in verschiedenen Medien und auf unterschiedlichen Foren über Aktuelles sage. Deswegen hängt das, was sich hier mitteilen lässt, auch recht unmittelbar davon ab, was jeweils Journalisten oder die Organisatoren öffentlicher Veranstaltungen interessiert. Davon aber wiederholt sich manches. Obendrein wäre es komisch, hier pedantisch auf jeden meiner öffentlichen oder medialen Auftritte hinzuweisen. Also bitte ich um Nachsicht, wenn es auf diesem Blog Lücken der Beschäftigung mit aktueller Politik gibt – obschon ich etwa zu den Vorkommnissen zwischen Russland und der Ukraine nicht weniger zu sagen hätte als zu den derzeitigen Debatten in der CDU.

Um hier ein wenig von gerade solchem Geschehenen nachzutragen, das auch einen gewissen analytischen Unterhaltungswert aufweist, mache ich – begleitet von einigen Kommentaren – auf einige Links aufmerksam, die mit unlängst aufgeführten „Erfurter Albereien“ zu tun haben. Es geht um einen Vortrag, den ich im Thüringer Landtag am 15. November 2018 gehalten habe. Er war der Auftakt des zweiten Teils einer gemeinsamen Vorlesungsreihe von Landtag, Universität Erfurt und der Mediengruppe Thüringen zum Themenbereich „Demokratie am Scheideweg“. Das mir gestellte Thema war: „Populismus – und wie mit ihm umzugehen ist, gerade von Parlamentariern“.

Weil ich – anders als das Sprachniveau und den jeweiligen Redestil – die Inhalte meiner Aussagen grundsätzlich nicht danach ausrichte, wer mich einlädt oder mir zuhört, war völlig klar: In diesem Vortrag würde ich nichts anderes sagen als das, was ich zum Thema Populismus und Populismusprävention seit 2015 sage, als ich nämlich damit begann, mich ausdrücklich und ausführlich zum in PEGIDA und der AfD auch in Deutschland hochkommenden Rechtspopulismus zu äußeren. Mein Erfurter Redetext, an den ich mich auch wortgetreu hielt, findet sich – wie alle meine Texte oder Vorträge zum Populismus – leicht greifbar auf meinem Blog unter dem folgenden Link: http://wjpatzelt.de/2018/12/03/populismus/.

Wie es sich inzwischen wohl gehört, gab es im Vorfeld dieses Vortrags studentische Proteste. Deren wesentlichen Anklagepunkte finden sich in einem im Vorfeld veröffentlichten Brief des Vorstands des Studentenrats der Universität Erfurt vom 29. Oktober an die – mitveranstaltende – Direktorin der Willy Brandt School dieser Universität; siehe https://www.uni-erfurt.de/fileadmin/public-docs/Studierendenrat/20._StuRa/Stellungnahmen/offenerBrief_Patzelt.pdf. Mir als zentral Betroffenem wurde der Brief – natürlich? – nicht zu Kenntnis gegeben; an einer Stellungnahme meinerseits war man offenbar nicht interessiert. Statt dessen verteilte man die wesentlichen Teile des Briefs vor dem Vortrag als Flugblatt, wohl um vor Augen zu führen, „wen“ – d.h.: einen wie schlimmen Hetzer o.ä.  – man da auf ein anscheinend sehr verführungsanfälliges Publikum loslasse, weshalb man es durch „Kontextualisierung“ eines so üblen Demagogen vor dessen verderblichem Einfluss schützen müssse (dokumentiert ist das Flugblatt unter https://www.facebook.com/linksjugend.erfurt/photos/pcb.2091615694210935/2091609430878228/?type=3&theater). Welches Ausmaß jene Befürchtungen hatten, geht auch sehr schön aus zwei Interviews hervor, die der Erfurter Lokalsender Radio F.R.E.I. mit Vertretern von studentischen Organisationen führte (siehe die ersten zwei Interviews unter https://www.radio-frei.de/index.php?iid=7&ksubmit_show=Artikel&kartikel_id=7268&fbclid=IwAR3NkobmjZXEoY4O9IcpMhp0nOY8YQd2sInLqs7IN0irF7aihYS8XzLE6XI), desgleichen aus dem Interview eines protestierenden Kritikers bei einer Demonstration unmittelbar vor dem Erfurter Landtagsgebäude (siehe https://www.facebook.com/linksjugend.erfurt/, Beitrag vom 15. November, 19:17).

Neben dem Frageverhalten der Interviewerin hat an diesen Interviewaussagen – sowie am „Offenen Brief“ – besonders großen analytischen Unterhaltungswert der Vergleich der Vergleich jener Vorab-Befürchtungen mit dem, was ich tatsächlich sagte sowie mit dem realen Ablauf der Veranstaltung. Es ist bemerkenswert, wie ignorant-arrogant – wieder einmal – Kritiker ohne wirkliche Kenntnis von mir sich einen Popanz aufbauten, in Auseinandersetzung mit welchem sie dann ebenso tragisch-lächerlich wirkten wie weiland Don Quijote beim Kampf gegen nicht mehr als – eine Windmühle.

Über das reale Geschehen (dazu rein anlassbezogen: https://erfurt.thueringer-allgemeine.de/web/erfurt/startseite/detail/-/specific/Ueber-Populismus-und-Politik-Werner-Patzelt-eroeffnet-zweite-Runde-der-Ringvorl-1481539871, sowie https://www.thueringer-landtag.de/landtag/veranstaltungen/professor-werner-patzelt-im-landtag/; einige Bilder hat die Linksjugend Erfurt unter https://www.facebook.com/linksjugend.erfurt/ im Beitrag vom 15. 11. 2018 veröffentlicht) macht man sich am besten ein Bild anhand von Berichten aus sehr unterschiedlichen Perspektiven. Vor allem der Vergleich sehr linker und sehr rechter Impressionen ist ziemlich aufschlussreich. Er lässt sich bequemst vornehmen anhand – einerseits – des Interviews des F.R.E.I.-Redakteurs Reinhard (Nr. 3 auf https://www.radio-frei.de/index.php?iid=7&ksubmit_show=Artikel&kartikel_id=7268&fbclid=IwAR3NkobmjZXEoY4O9IcpMhp0nOY8YQd2sInLqs7IN0irF7aihYS8XzLE6XI) und von zwei Stellungnahmen auf https://www.facebook.com/erfurtlacht/, Beitrag vom 15.. November, 20:08 Uhr, mit – andererseits – https://afd-thueringen.de/2018/11/prof-patzelt-spricht-und-die-linken-hoeren-wie-immer-nicht-zu/. Besonders sehr interessant sind obendrein die Interviews, die der F.R.E.I.-Redakteur Reinhard mit etlichen Teilnehmern an Vortrag und Diskussion führte. Dort merkt man förmlich die Mühe, welche sich so mancher gibt, der das real Erlebte und Gesagte mit seinen für wahr gehaltenen Vorurteilen weiterhin zusammenzubringen (siehe Nr. 4 auf https://www.radio-frei.de/index.php?iid=7&ksubmit_show=Artikel&kartikel_id=7268&fbclid=IwAR15h-5GayMnaDZgUxuQfctxbIdhtk15BfpR_Ao3QGk8x1wQDt5DhnYqogw).

Es traf sich, dass ich knapp zwei Wochen später, nämlich am 27. November, erneut in Thüringen war, nämlich beim „Ettersburger Diskurs“ mit dem Thüringer CDU-Landesvorsitzenden Mike Mohring (dazu https://weimar.thueringer-allgemeine.de/web/weimar/startseite/detail/-/specific/Diskurs-zum-Populismus-1644556776 oder http://picdeer.com/place/469256802). Dort hielt ich – verkürzt auf die Merkmale von Populismus sowie die richtige Umgangsweise mit ihm – genau denselben Vortrag wie im kurz zuvor im Erfurter Landtag. Und es ist lustig, die bei diesen Anlässen so unterschiedlichen Reaktionen auf meine stets gleichen Aussagen zu vergleichen, etwa über http://www.prabelsblog.de/2018/11/patzelt-die-afd-ist-kopie-eines-originals-das-es-nicht-mehr-gibt/ bzw. https://www.geolitico.de/2018/11/30/strategie-fuer-cdu-nahkampf-gegen-afd/. Viel Spaß dabei!

Und weil immer wieder so getan wird, als veröffentlichte ich ganz furchtbar radikale, neofaschistische, rassistische, hetzerische usw. Texte in der „Jungen Freiheit“ (die natürlich keiner von denen liest, die so genau wissen, wie üble Artikel sie enthält), liste ich abschließend einfach meine bisher dort publizierten Texte auf – freilich ohne Gewähr für Vollständigkeit, weil ich jahrelang nicht sehr sorgfältig bei der Dokumentation meiner journalistischen Aktivitäten war. Viele der nachstehend aufgelisteten Text leicht auffindbar auch auf meinem Blog http://wjpatzelt.de.

Die Überschriften stammen allesamt von der JF-Redaktion, und nicht mit allen bin ich zufrieden. Die Texte aber sind allein von mir – und wer sie wirklich liest, der erkennt: Genau so hätte sie auch jede andere Zeitung drucken können!

  • Der Wahlkampf wird doch noch spannend, Interview in: Junge Freiheit 37/09 v. 4. September 2009, S. 3
  • Demokratie konkret gemacht, in: Junge Freiheit Nr. 17/13 v. 19. April 2013, S. 18
  • Intellektualität statt nur Dagegensein, Interview in: Junge Freiheit 36/12 v. 31. 8. 2012, S. 3
  • Im Vergleich die beste Methode, in: Junge Freiheit 43/13 v. 11.10.2013. 3
  • Die Politik kann das nicht aussitzen, Interview in: Junge Freiheit 52/14 v. 19./26. Dezember 2014, S. 6
  • Nicht nur Haßkappen, Interview in: Junge Freiheit 5/15 v. 23. Januar 2015, S. 3
  • Masseneinwanderung: Fragen über Fragen, in: Junge Freiheit Nr. 39/15, 18. September 2015, S. 18
  • Die böse Stiefmutter. Angela Merkel war der Erfolgsgarant der CDU. Vor dem Parteitag steht sie nicht mehr so unangefochten da, in: Junge Freiheit 51, 11. Dezember 2015, S. 1
  • Auf die Dosis kommt’s an. Dialektik des Erfolgs: Die Chancen für die AfD sind glänzend – doch auch gefährlich, in: Junge Freiheit 9, 26. Februar 2016
  • Es lebe die Vielfalt! Traditionelle Volksparteien haben ausgedient, weil sie die Integration ihrer politischen Ränder aufgeben, in: Junge Freiheit 41, 7. Oktober 2016 2016, S. 1
  • Gruß an den Geßlerhut, in: Junge Freiheit 44, 28. Oktober 2016, S. 2
  • Vom hohen Roß herabsteigen, in: Junge Freiheit 47, 18. November 2016, S. 2
  • „Das Parteiensystem schichtet sich um“, Interview in: Junge Freiheit, 29. April 2016, S. 32
  • Die eingeklemmten Genossen. Auch unter Martin Schulz kann die SPD keinen Raum zwischen Merkel-CDU und Links-Grün gewinnen, in: Junge Freiheit 6/17, 3. Februar 2017, S. 1
  • Die AfD und Björn Höcke – ein Beziehungsstreit, in: Junge Freiheit online, 17. Februar 2017
  • Den Volkswillen veredeln, in: Junge Freiheit, Nr. 13/17 v. 24. März 2017, S. 18
  • Zu spät ist auch daneben. SPD-Wahlprogramm, in: Junge Freiheit, Nr. 22/17, 26. Mai 2017, S. 2
  • Ein Verbot „light“. Parteienfinanzierung: Eine Verfassungsänderung hebt die Chancengleichheit auf, in: Junge Freiheit Nr. 27/17, 30. Juni 2017, S. 2
  • Sie fühlen sich sicher. Linke Gewalt – was dagegen tun?, in: Junge Freiheit, Nr. 30/17. 21. Juli 2017, S. 18
  • Eine neue Republik. Endlich wurde eine Repräsentationslücke geschlossen, in: Junge Freiheit 44/17, 32. Jahrgang, 27. Oktober 2017, S. 1
  • Die Dialektik des Sozialen. Die Einstellung der Linken zur Migration ist voller Widersprüche. Merkt sie das endlich?, in: Junge Freiheit Nr. 4/18 v. 19. Januar 2018, S. 1
  • Es geht um Fairneß. Streitkultur: Wie müssen wieder lernen, Andersdenkende ernst zu nehmen, in: Junge Freiheit Nr. 13/18 v. 23. März 2018, S. 13
  • Diskurshygiene wahren, in: Junge Freiheit Nr. 27/18 v. 29. Juni 2018, S. 2
  • Lustvolles Verachten. Die Sachsen im Spannungsfeld zwischen Besserwessis, Migrantenkriminalität und Pegida-Zorn, in: Junge Freiheit Nr. 36/18 v. 31. August 2018, S. 1
  • Üblicherweise folgt Rücktritt, Interview in: Junge Freiheit Nr. 40/18 v. 28. September 2018, S. 17