Drei Denunziationen, drei Flops

Drei Denunziationsversuche hinsichtlich meiner gab es in den vergangenen zwei Wochen. Zwei floppten bereits; der dritte ist gerade am Floppen.

Erstens: Der Journalist Lennart Pfahler versuchte, mir einen Vergleich – gemeint war: eine Gleichsetzung – von Angela Merkel mit Joseph Goebbels anzuhängen. Obwohl er einige lese- und denkunlustige Nachbeter fand, ist aus diesem Luftballon aller dünne Inhalt entwichen, seit ich die Zusammenhänge klargestellt habe (siehe http://wjpatzelt.de/2018/09/10/verleumdender-journalismus/ sowie https://www.huffingtonpost.de/entry/stellungnahme-einige-bemerkungen-zu-lennart-pfahlers-artikel-uber-mich_de_5b97ad2be4b0162f4730e6c0

Zweitens: Mein Dresdner Kollege Gerd Schwerhoff versuchte, mir eine „plumpe Verschwörungstheorie“ über das Zusammenwirken der Kanzlerin, des Regierungssprechers und der Medien in Sachen „Chemnitzer Ereignisse“ anzuhängen. Davon blieb nach meiner Klarstellung nichts übrig (siehe http://wjpatzelt.de/2018/09/19/gerd-schwerhoff-eine-ausfuehrliche-antwort/). Zum diesen Befund nur bestätigenden Weitergang des Diskurses siehe https://tu-dresden.de/gsw/phil/ige/fnz/die-professur/gegenwart-gesellschaft-1/debatten-um-die-hetzjagd-petition sowie meine Antwort darauf (http://wjpatzelt.de/2018/09/25/gerd-schwerhoff-zum-ausklang-einer-debatte/).

Drittens: Derzeit versuchen Journalisten von ZEIT und SPIEGEL mir eine Verharmlosung der in Chemnitz von Rechtsradikalen veranstalteten Drohungen und Übergriffe anzuhängen. Sie ziehen sich daran hoch, dass ich das auf den „Chemnitzer Ausschreitungsvideos“ Ersichtliche mit dem ganz und gar nicht-bewertenden, abstrakten Begriff „Nacheileverhalten“ bezeichnet habe. Daraus folgerten sie: „Wer von ‚Nacheileverhalten‘ spricht, bestreitet ‚Hetzjagden‘“ – und verharmlost auf diese Weise Rechtsradikalen-Umtriebe in Chemnitz.

Dieser Schluss ist töricht. „Nacheileverhalten“ ist nämlich nur ein wenig detaillierter Oberbegriff. Zu konkretisieren ist er durch Unterbegriffe wie „Hetzjagd“, „Jagdszene“, „Nachsetzen“ oder „Hinterherlaufen“. Meine Frage lautet also ganz einfach: Welche Form von Nacheileverhalten wollen wir als „Hetzjagd“ bezeichnen?

In meinem Sprachgebrauch hielt ich es bislang für eine „Hetzjagd“, wenn einem anderen – oder mehreren anderen – über eine längere Strecke in der Art nachgesetzt wird, dass es Grund zur Vermutung gibt, der Flüchtende oder die Flüchtenden sollten eingefangen und dann misshandelt werden.

Ich bin gern bereit, diesen Sprachgebrauch zu verändern. Zu diesem Zweck möchte ich einfach wissen, bei Auftreten welcher Verhaltensweisen fortan – in hoffentlich wechselseitig verständlicher Weise – von einer „Hetzjagd“ gesprochen werden soll. Falls das jetzt weithin bekannte „Hase-du-bleibst-hier“-Video genau jene Art von Nacheileverhalten zeigt, das fortan als Hetzjagd zu bezeichnen wäre, so soll mir das recht sein.

Es möge dann aber schon auch jemand vorschlagen, mit welchem Begriff wir dann ein solches – über eine „Hetzjagd“ im soeben dargelegten Sinn hinausgehendes – Nacheileverhalten belegen sollten, bei dem sich kriminelle Energie über längere Zeit austobt, und das auf die Erzeugung möglichst weiterwirkender Angst beim Verfolgen ausgeht. Mir ist nämlich nicht wohl beim Gedanken, dass wir – warum auch immer – unsere zur Benennung übler Sachverhalte verwendeten Begriffe soweit nivellieren könnten, dass wir Unterschiede in der Art des Abzulehnenden oder gar Abscheulichen nicht mehr wechselseitig verständlich auszudrücken vermöchten.

Fazit: Drei Denunziationen, drei Flops – und warum eigentlich arbeiten sich Journalisten und Kollegen nicht an wichtigeren Dingen ab?

 

Bildquelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/6/6a/Venedig_BW_1.JPG