Für Streit – gegen Pöbeln!

aus Anlass der Pöbeleien zur gestrigen Eröffnung eines Dresdner Kunstprojekts

Streit um Kunst ist gut. Streit um Kunst im öffentlichen Raum ist erst recht gut. Eben durch solchen Streit wird Kunst nämlich politisch. Und dass Kunst auch politisch ist, tut einem freiheitlichen Gemeinwesen gut. Übrigens ist auch Streit darüber gut, was Kunst ist und was nicht. Aus ihm kann man nämlich lernen – selbst wenn gilt: Was dem einen seine Eule, ist dem anderen seine Nachtigall.

Zum Streit aber gehört: Dem anderen zuhören. Seine Argumente verstehen wollen. Sorgfältig auf sie antworten. Mit gutem Willen reden.

Kein Streit, sondern unfruchtbare Pöbelei ist hingegen: Schimpfen. Beschimpfen. Schreien. Pfeifen. Trillern. Nicht zuhören. Nicht mitdenken. Nicht antworten.

Lobenswert ist, wer mit anderen darum streitet, was dem Gemeinwohl dient. Zu tadeln ist, wer Streit verweigert. Gering zu schätzen ist, wer pöbelt. Und zu bekämpfen ist, wer beim Streit Gewalt anwendet – gleich ob in Gedanken, in Worten oder in seinem Tun. Wobei Gewalt beginnt, wo einem Gutwilligen das Gespräch verweigert wird – und sich dort fortsetzt, wo der Gewalt willig zugesehen und nicht widerstanden wird. Ganz verachtenswert sind alle Drohungen mit Gewalt – und natürlich auch dann, wenn sie sich gegen Politiker richten, die man nicht mag.

Damit ist klar, was meiner Überzeugung nach von den lautstarken Aktionen bei der Eröffnung des Dresdner Mahnmals mit den drei aufgerichteten Bussen zu halten ist. Jeder kann einschätzen, wie er selbst sich dort verhalten hat, verhalten hätte oder das von so manchen an den Tag gelegte Verhalten beurteilt. Ich selbst verurteile Pöbelnde – und mag den Streit.

Und das ist meine Position über das schon Gesagte hinaus: Krieg ist schlecht, auch wenn er bisweilen notwendig sein mag – wie der Krieg gegen die Nazis. Denkmale gegen Krieg sind gut – auch wenn sie bisweilen ungerecht gegen jene sind, die einen notwendigen Krieg führen. Hochragend aufgestellte Busse sind eine zwar unübliche, doch wirksame künstlerische Ausdrucksform; also gilt es, aus ihr ästhetischen und reflexiven Gewinn zu ziehen – wie einst aus dem verhüllten Reichstag. Und wer statt zu argumentieren schreit, hat Unrecht – ganz gleich, weshalb und wofür er schreit.

Gewiss soll man sich um jene bemühen, die im Unrecht sind; wie sonst sollen sie zum Richtigen zurückfinden! Doch wer sich ernstnimmt, wird sich schon auch bemühen, selbst den Weg zum Richtigen zu finden – und sollte nicht unzufrieden sein, wenn ihm jemand dabei hilft. Allerdings bleibt auch einem Helfer mit gutem Willen nur eine Mischung aus Mitleid und Verachtung, wenn es um  dauerhaft Vernagelte und Verbohrte geht, um freudvoll Verblendete und Verstockte.

Es muss sich aber keiner vernageln und verbohren lassen, und aus Verblendung oder Verstocktheit kann man sich befreien. Wäre dann nicht ein schönes Ziel: Wir helfen einander, das Pöbeln zu lassen und zum zivilisierten Streiten zu gelangen – und zwar auf allen Seiten? Mögen dabei viele mitmachen!

 

 

Bildquelle: https://www.google.de/search?q=monument+dresden&client=firefox-b&source=lnms&tbm=isch&sa=X&ved=0ahUKEwi7k7Wbiv_RAhXHFSwKHe_dDowQ_AUICigD&biw=1536&bih=755#q=monument+dresden&tbm=isch&tbs=isz:l&imgrc=lkwlyVAtXzq9kM:

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