Patzelt-Kritiker sprachlos

Die nachstehende PRESSEMITTEILUNG wollte ich ursprünglich über die Pressestelle der TU Dresden verbreiten, um so meinerseits einen Schlussstrich unter die jene Auseinandersetzung mit meinen Kritikern zu ziehen, die leider durch deren Diskursverweigerung im Grunde gar nicht zustande kam. So zu verfahren, schien mir dann aber doch dem Beschießen von Spatzen mit einer Kanone zu gleichen. Also soll die Veröffentlichung der Pressemitteilung an dieser Stelle sowie auf meinem Politikblog „wjpatzelt.de“ reichen:

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Pressemitteilung: Patzelt-Kritiker sprachlos
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Ende Januar meinten Studierende der TU Dresden und Wissenschaftliche Mitarbeiter des TUD- Instituts für Politikwissenschaft, sich durch Flugblätter und Pressemitteilungen von Politikprofessor Patzelt wegen seiner öffentlichen Aussagen über PEGIDA distanzieren zu müssen. Ihre Kritik schaffte es in viele Medien: von sächsischen Zeitungen über Spiegel-Online bis hin zum Deutschlandfunk.

Der Professor tat, was sich für akademischen Streit gehört: Er antwortete auf öffentliche Kritik öffentlich, nämlich auf seiner offiziellen Facebook-Seite. Die aus dem Internet herunterladbare Antwort (http://www.docdroid.net/…/reaktion-auf-flugblatt-usw-.pdf.h…) nahmen seine Kritiker auch nachweislich wahr. In zwölf Punkten listete Patzelt dort auf, worin er mit seinen Kritikern inhaltlich übereinstimmt, und dann setzte er sich differenziert mit 26 vorgebrachten Kritikpunkten auseinander.

Seitdem war von den Kritikern nichts mehr zu hören – abgesehen von zwei Studierenden (!), die einen konstruktiven Email-Wechsel begannen. Wo man auf eine Erwiderung hin aber nichts mehr zu sagen hat, dort haben sich Kritikpunkte offenbar als haltlos erwiesen. Das gilt zumal für die folgenden:

(1) Patzelt habe unter Inanspruchnahme wissenschaftlicher Autorität nur seine subjektive Meinung über PEGIDA geäußert. In Wirklichkeit führte ein Team seiner Studierenden seit Ende Oktober ein Forschungsprojekt zu PEGIDA durch, aus dessen Befunden – ebenso wie aus eigenen Beobachtungen und aus Gesprächen mit Pegida-Anhängern – Professor Patzelt seine in vielen Interviews vorgebrachten Einschätzungen von PEGIDA ableitete. Weil diese deutlich von der Mehrheitsmeinung seiner – oft ohne persönliche PEGIDA-Kenntnis urteilenden – Kollegen abwichen und sich obendrein mit den Einschätzungen differenziert berichtender Journalisten deckten, zogen sie besonders viel öffentliche Aufmerksamkeit auf sich. (Eine aktuell gehaltene Liste von Patzelts Interviewaussagen findet sich unter http://www.docdroid.net/tplk/pegida-interviews.pdf.html, seine PEGIDA-Studie unter http://www.docdroid.net/…/analyse-pegida-januar-2015-fertig…).

(2) Patzelt habe sich über die Gegendemonstranten undifferenziert geäußert. Weil fast alle öffentlichen Äußerungen Patzelts zu PEGIDA aus Interviews stammen, wird auf diese Weise letztlich nur das Frage- und Berichtsverhalten von Journalisten kritisiert. Ausnahmsweise in einem Interview tatsächlich zu den Gegendemonstranten befragt, äußerte Patzelt sich natürlich differenziert zu den Pro- und Gegendemonstranten; siehe – ausgerechnet! – Compact-TV-Magazin vom 5. Februar 2015, 13:00-23:40, mit einer differenzierten Stellungnahmen zu den Gegendemonstranten zwischen 15:10 und 16:15 (https://www.youtube.com/watch?v=PjVjNWdhfw4).

(3) Patzelt habe als „Sprachrohr“ von Pegida fungiert. In Wirklichkeit lenkte er die Aufmerksamkeit nur darauf, was die meisten der Demonstranten tatsächlich bewegte. Das war weder „Islamfeindlichkeit“ noch rassistischer „Ausländerhass“, sondern Empörung über Deutschlands ziemlich passive Einwanderungs- und Integrationspolitik sowie allgemein großer Ärger darüber, von Medien und Politikern nicht ernstgenommen zu werden. Die seitherige Entwicklung von PEGIDA bestätigt die Richtigkeit dieser Einschätzung (siehe hierzu auch Patzelts Referat über PEGIDA auf den 19. Karlsruher Gesprächen, 28. Februar 2015, nachlesbar unter http://www.docdroid.net/t4jj/was-ist-pegida.docx.html).

(4) Patzelt habe seine Rolle als Wissenschaftlicher nicht von seiner politischen Rolle als Bürger getrennt. In Wirklichkeit hat er seine Rolle als ein um wahrheitsgetreues Beschreiben, korrektes Verstehen und praxisnützliches Erklären sozialer und politischer Erscheinungen bemühter Wissenschaftler professionell ausgeübt und dabei einfach mehr Gehör gefunden sowie Wirkung ausgeübt, als das Politikwissenschaftlern in der Regel beschieden ist. Das mag dann auch kollegialen Unmut hervorgerufen haben.

Alles in allem gab es keinerlei sachlichen Grund, Professor Patzelt als einen irgendwie problematisch agierenden TU-Wissenschaftler hinzustellen. Er hat vielmehr gezeigt, wie öffentlich wirkungsvoll und politisch folgenreich die Arbeit eines Politikwissenschaftlers sein kann. Damit hat er die gerade auch praxisanalytische Exzellenz der TU Dresden unter Beweis gestellt.

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Nachbemerkung:

Obwohl es in meiner Antwort an die Kritiker etliche klare Rückfragen und Gesprächsangebote gab, haben sich die kritisierenden Akademiker während fast eines ganzen Monats nicht in der Lage gesehen, auf dergleichen auch nur andeutungsweise einzugehen. Sowohl informell-private als auch öffentliche Rückäußerungen an mich blieben aus. Das einzige einschlägige Gespräch am Institut fand statt, bevor ich mich schriftlich und differenziert mit den vorgetragenen Aussagen auseinandergesetzt hatte. Anscheinend ging es den Kritikern, welche einst doch ihrerseits die Öffentlichkeit gesucht hatten, mehr um die eigene mediale Präsenz als um eine Klärung der von ihnen aufgeworfenen Sachverhalte.

Solches Verhalten ist zur Kenntnis zu nehmen. Es verdient auch eine klare Bewertung. Die lautet: DISKURSIV SCHWACH, INTELLEKTUELL UNFRUCHTBAR, PERSÖNLICH MUTLOS. Immerhin ist nun klar, von wem Argumente vorgebracht wurden – und von wem nur Unterstellungen. Und insgesamt liegt die Frage nahe, wer da wirklich jene Grenze überschritten hat, die Wissenschaft vom politischen Dampfablassen trennt. Die Antwort ist offensichtlich: Es waren die – seither aus gutem Grund verstummten – Kritiker!

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