Von Trump zu Biden

Es ist gut, dass die Zeit des Wartens auf eine Entscheidung beim Auszählen der US-Präsidentschaftswahl vorbei ist. Es ist gut, dass die Wahlbeteiligung so hoch war. Es ist gut, dass die Präsidentschaft von Donald Trump zu Ende geht. Und es ist besonders gut, dass Joe Biden sich in seinen öffentlichen Aussagen so klar der Aufgabe verschrieben hat, die tief gespaltene amerikanische Gesellschaft wieder zusammenführen.

Es war schlecht, dass Donald Trump das schon zu Barack Obamas Zeiten sich entzweiende Amerika noch weiter auseinandergetrieben hat. Es war schlecht, dass er sich in Worten und Werken so verhalten hat, wie es der Würde und Wichtigkeit der amerikanischen Präsidentschaft nicht entspricht. Es war schlecht, dass niederträchtig Zweifel an der Ehrlichkeit des Wahlverfahrens säte. Und es war besonders schlecht, dass er sich ohnehin nie erkennbare Mühe gab, in die Größe seines Amts hineinzuwachsen.

Für Deutschland sollten wir aus Trumps Präsidentenjahren lernen, wie wenig es einem Land bekommt, wenn man mehr für wechselseitiges Verachten als fürs Wiedergewinnen gegenseitigen Respekts tut. Wie wenig erreicht wird, wenn man sogar richtige Ziele mit falschen Mitteln angeht. Wie üble Folgen es zeitigt, wenn Intellektuelle den Anschluss ans Empfinden einfacher Leute verlieren, und wenn deren Volkstribune sich um Stil und Niveau gerade nicht bemühen. Und dass wir bei unserer eigenen innenpolitischen Polarisierung jenen Irrweg vermeiden sollten, den die USA seit den Zeiten von George W. Bush über Barack Obama bis hin zu Donald Trump beschritten haben: Wir gegen „die“, die Anständigen gegen die Bösen, die „Wokes“ gegen die Naiven, die sich Wehrenden gegen die „Systemlinge“.

Folgen wir nun am besten dem Beispiel, das der Wahlsieger zu geben verspricht. Wünschen wir dem Wahlverlierer, dass er beim Abschied vom Amt doch noch jener Größe näherkommt, die man ihm schon während seiner Zeit im Weißen Haus gegönnt hätte. Wünschen wir den USA, dass ihnen das Schauspiel eines sich weiter blamierenden Präsidenten Trump erspart bleibt. Und lernen wir aus der vorbildlichen Haltung von John McCain bei seiner Wahlniederlage gegen Barack Obama, wie eng es in den USA selbst scharfe Gegner zu verbinden vermag, dass sie auf ihre Demokratie und auf ihr Land wirklich stolz sind.