Kirchentag und AfD

Das Präsidium des kommenden Ökumenischen Kirchentags hat beschlossen, dass AfD-Mitglieder nicht als Panel-Teilnehmer eingeladen werden dürfen; siehe etwa https://www.katholisch.de/artikel/25717-oekumenischer-kirchentag-schliesst-afd-mitglieder-als-mitwirkende-aus. Ich halte das für eine Fortsetzung der bislang schon erfolglosen Versuche, die AfD lieber durch Ausgrenzung als durch Auseinandersetzung zu besiegen. Und weil mich solche Dummheit schon seit Jahren ärgert (siehe dazu etwa mein kleines Buch „CDU, AfD und die politische Torheit“, Dresden 2019), habe ich auch diesmal bei einem Kommentar für die katholische Zeitung „Die Tagespost“ nicht mit Ironie gespart. Beiliegend mein Text – für den, obwohl im erbetenen Umfang verfasst, sich dann doch kein Platz fand …

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Nun ist es amtlich: Zur auf Podien vorzeigbaren Ökumene gehört nicht, wer Mitglied der AfD ist. Alle AfDler treten nämlich – so das Präsidium des Kirchentags zwischen den Zeilen seiner entsprechenden Erklärung – für rassistische oder antisemitische Überzeugungen ein und machen sich für fremdenfeindliche und antidemokratische Positionen stark. Die Kirche aber, so der politik-theologische Kontext, ist die Gemeinschaft der Heiligen. In die passen AfDler nicht, weil der Heilige Geist sie offenbar verschmäht. Andernfalls dächten sie ja längs der Gebote politischer Korrektheit, doch nicht quer. Also sollten AfDler froh sein, wenn sie immerhin als Zuhörer zu jenen Veranstaltungen kommen dürfen, auf denen die richtigen liturgischen Farben getragen werden: nämlich rot für den Heiligen Geist, grün für die Hoffnung. Möge nun der Unvereinbarkeitsbeschluss des Kirchentagspräsidiums auch allen jenen eine Lehre sein, an denen sich Rechtfertigung aus dem rot-grünen Glauben vollzieht und die deshalb, anders als die Verworfenen von der AfD, auf Kirchentagspodien dürfen: Keine falschen Lehren sollen sie dort verkünden, keine falschen Signale senden, nie ein Argument verwenden, das sich auch bei AfDlern nachweisen lässt!

Und warum nicht gleich die ganz klare Kante zeigen? Wenn schon Restaurants – wie in Berlin geschehen – die Bewirtung von AfDlern verweigern: Warum soll man sie dann weiterhin zur Kommunion zulassen? Die ist doch kein leeres Ritual! Und wie ernst kann man die Versicherung von AfD-Eltern nehmen, ihre Kinder im christlichen Glauben aufzuziehen – und nicht in einem undemokratisch-verfassungsfeindlichen Glauben? Na klar; also kann man es wirklich nicht länger verantworten, AfD-Babys zu taufen oder AfD-Teenies zu firmen. Wann endlich distanzieren sich Pfarrer und Bischöfe von ihrem schändlichen Tun, Sakramente zu spenden ohne die Würdigkeit der Empfangenden vorher überprüft zu haben! Da war ein Frankfurter Fußballclub schon einmal weiter: Er wollte AfD-Anhänger nicht mehr ins eigene Stadion lassen. Gut so! Lasst uns also auf dem Kirchentag einmütig beweisen: Mit uns Christenmenschen haben AfDler nichts gemein, und die ganze Ökumene steht zusammen im Kampf gegen rechts!

Ähnliches unternahmen früher die „Deutschen Christen“ im – wie sie das empfanden – „Abwehrkampf“ gegen das „christenfeindliche Judentum“. Den Galiläer Jesus wollten diese Gesinnungsarier zum Germanen machen, mindestens zum Gesinnungsgermanen. Jetzt ist das uns allen ein Anlass für weit mehr als bloßes Fremdschämen. Doch Anlass fürs Fremdschämen war vielen seiner Zeitgenossen Jesus selbst: Als er einmal zum Abendessen eingeladen war, „da kamen viele Zöllner und Sünder und saßen zu Tisch mit Jesus und seinen Jüngern. Als das die Pharisäer sahen, sprachen sie zu seinen Jüngern: Warum isst euer Meister mit den Zöllnern und Sündern? Als das Jesus hörte, sprach er: Nicht die Starken bedürfen des Arztes, sondern die Kranken. … Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder“ (Matthäus 9, 10). Welch verantwortungslose Leichtfertigkeit! Gottlob trennte sich das damalige Establishment von diesem Grenzgänger – und gab uns Heutigen ein gutes Beispiel. Wirklich?

Nun endlich ohne Ironie oder Sarkasmus: Wo gesellschaftspolitische Debatten geführt werden, widerspricht es dem Geist einer pluralistischen Demokratie, nur unter Freunden über Feinde zu schimpfen. Besser wäre es, sich mit Gegnern öffentlich zu streiten – und sie zu besiegen. Mit den besseren Argumenten, und mit vorbildlichem Anstand.