Von den Folgen übler Nachrede

Von den Folgen übler Nachrede, die bis in öffentliche Aussagen von Spitzenpolitikern reichen, handelt der nachstehende Brief, den an den Präsidenten des Landtages von Rheinland-Pfalz zu schreiben ich mich gezwungen sah. Warten wir nun ab, was aus dem ganzen Vorgang wird!

 

Und hier ist der Brief:

 

An den Präsidenten des Landtags von Rheinland-Pfalz

Herrn Hendrik Hering

Platz der Mainzer Republik 1
55116 Mainz

Telefax 06131 208-2531, 06131 208-2505

Praesident@landtag.rlp.de

Dresden, 27. Januar 2017

 

Sehr geehrter Herr Landtagspräsident Hering,

Dem LandesPresseDienst von gestern entnehme ich, Sie hätten am Donnerstagabend bei der Eröffnung einer Ausstellung über „Verbrannte Bücher – von den Nazis verfemte Schriftsteller“ behauptet, ich wäre in ähnlicher Weise wie die Nazis für eine Verrohung unserer politischen Sprache verantwortlich (Quelle: https://www.landespressedienst.de/landtagspraesident-stellt-anerkannten-professor-unter-nazi-verdacht/).

Wären Sie so nett, mir mitzuteilen, auf welchen meiner Texte oder auf welche meiner sonstigen Aussagen Sie diese Behauptung gründen? Falls der Bezugstext mein Mainzer Vortrag vom Montagabend über „Heimatliebe, deutscher Patriotismus und neue rechte Bewegungen“ wäre, finden Sie mein Vortragsmanuskript unter dem folgenden Link: http://wjpatzelt.de/?p=1212Seien Sie doch so freundlich, mir jene Passagen zu nennen, in denen ich angeblich nazigleich auf eine Verrohung unserer Sprache hinwirkte.

Gerne mache ich Sie auch auf jenen Vortrag aufmerksam, den ich selbst am 8. März 2015 zum Thema genau Ihrer gestrigen Eröffnungsrede auf einer von der damaligen SPD-Bundestagsabgeordneten Dr. Marlies Volkmer in Dresden organisierten Gedenkveranstaltung zur Nazi-Bücherverbrennung gehalten habe. Sie finden ihn unter dem folgendem Link: http://wjpatzelt.de/?p=224. Er könnte ebenso zur Überprüfung Ihrer öffentlichen Aussage über mich beitragen wie meine Rede vom 13. Februar 2015 auf einer Dresdner Gedenkveranstaltung der Evangelischen Kirche und des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge zur Erinnerung an den 70. Jahrestag des Luftangriffs auf Dresden (siehe http://wjpatzelt.de/?p=113).

Ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn ich in absehbarer Zeit von Ihnen eine Klarstellung dahingehend erhielte, ob Sie in Anbetracht dieser – und gerne auch anderer, von Ihren Mitarbeitern ja leicht recherchierbarer Texte – an Ihrer Behauptung festhalten wollen, ich trüge wie die Nazis zu einer Verrohung unserer politischen Sprache bei.

Vielleicht haben Sie diese Bemerkung ja auch gar nicht gemacht oder wurden einfach missverstanden, was sich dann besonders leicht klarstellen ließe. Falls Ihr Satz wiederum auf eine leichtfertige üble Nachrede meines Berliner Kollegen Hajo Funke zurückgehen sollte, der im letzten Herbst – warum auch immer – meinte, mir ein „ethnozentrisch verrohtes Gemüt“ nachsagen zu sollen, wovon er später abrückte, findet sich eine Klärung dieses Vorgangs im Internet unter http://wjpatzelt.de/?p=1045. Und wenn eben doch mein von der Mainzer „Linken Liste“ zu skandalisieren versuchter Vortrag vom Montagabend Anlass Ihrer Bemerkung war, so ist alles zum Gesamtvorgang Einschlägige ebenfalls auf meinem Blog nachzulesen, nämlich unter http://wjpatzelt.de/?p=1216.

Es wäre schön, wenn Sie Ihre Aussage über mich nun bald überprüfen und dann zurechtrücken würden. Sollte ich freilich davon ausgehen müssen, dass Sie weiterhin behaupten wollen, oder eine Behauptung der Art öffentlich fortbestehen lassen wollen, ich sei wie die Nazis für die Verrohung unserer politischen Sprache verantwortlich, werde ich wohl rechtliche Schritte in Erwägung zu ziehen haben. Erfreulicher wäre gewiss eine einfache Klarstellung, im Anschluss an welche ich Ihnen dann auch nichts mehr nachtragen werde. Immerhin kann jeder einmal einen anderen falsch einschätzen oder einer Fehlinformation aufsitzen.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

(Prof. Dr. Werner J. Patzelt)

 

 

Bildquelle: http://www.webmasterpro.de/management/article/rechtsfreier-raum-war-gestern-worauf-webmaster-achten-muessen.html