Gegen Gewalt!

In der heutigen, am 29. September 2015 erschienenen Ausgabe der „Sächsischen Zeitung“ ist auf S. 13 dem Aufmacher des Dresdner Lokalteils zu entnehmen:

Eric Hattke, Sprecher des Netzwerks „Dresden für alle“, ist einmal mehr mit Gewalt bedroht werden. Man wisse, wo er wohne; und falls er nicht aufhöre, „sich für Ausländer einzusetzen“, würde er – vielleicht schon nächste Woche – „platt gemacht“. Vielleicht schieße man „durch die Fenster“; jedenfalls habe man am Wohnort der Familie „auch Kameraden“. Eine Morddrohung gegen Hattke gab es schon vor vielen Monaten, nämlich als er anfing, sich öffentlich gegen PEGIDA zu engagieren. Pressemeldungen nach erstrecken sich Einschüchterungsversuche inzwischen auch auf seine Familie. Obendrein hat unlängst jemand, sich als Eric Hattke ausgebend, den Polizeinotruf gewählt und mitgeteilt, er habe jemanden getötet und wolle nun sich selbst umbringen.

Es gibt keinen Grund, am Wahrheitsgehalt dieser Meldungen zu zweifeln. Und erst recht gibt es keinen Grund, derlei Handlungen und ebenso jene Geisteshaltung, die hinter ihnen steht, nicht aufs schärfste zu verurteilen. Schon am 6. Februar, in meiner umfassenden „Antwort auf meine Kritiker“ (auffindbar auf meinem Blog unter folgendem Link: http://wjpatzelt.de/?p=128), habe ich im Punkt 25 auf S. 22 ausdrücklich festgestellt:

„Morddrohungen sind abscheulich; wer solche ausspricht, ist aufzuspüren und zu bestrafen; und es ist verwerflich, gerade jenen, die öffentlich am Streit um Politik teilnehmen und darin in lobenswerter Weise ihre Bürgerrolle erfüllen, Sorgen um Leib und Leben aufzuzwingen“.

Es ist an der Zeit, dies zu wiederholen. Gewiss ist es völlig in Ordnung, sich über politische Ansichten, Ziele und Maßnahmen zu streiten, und zwar auch ganz grundsätzlich und sehr heftig. Doch in überhaupt keiner Weise ist es in Ordnung, in diesen Streit Gewaltandrohungen oder gar Gewalt selbst einzubringen. Weder Gewalt in Worten noch solche in Taten, weder Gewalt gegen den Leib eines anderen noch solche gegen dessen Seele ist hinnehmbar.

Das alles ist auch kein Spiel, bei dem es auf Unzulänglichkeiten nicht ankäme. Vielmehr befinden wir uns in einem ernsthaften Ringen um die richtige Politik unseres Landes anlässlich des auf ihm lastenden Einwanderungsdrucks sowie der gewaltigen Herausforderung, den gesellschaftlichen Zusammenhalt im Land zu sichern. Alles, was ein redliches, mit Fakten und Argumenten geführtes Ringen um die für zielführende Politik nötigen Mehrheiten stört, wird unseren gemeinsam zu bestehenden Aufgaben nicht gerecht. Gerade wer zum Besten unseres Landes und seiner Bevölkerung zu wirken versucht, darf sich deshalb nie auch nur in die Versuchung bringen, selbst gewalttätig zu werden oder der Gewalttätigkeit anderer mit klammheimlicher Freude zuzusehen.

Falls jemand der hier Mitlesenden die Möglichkeit hat, auf jene – über wie viele kommunikative Zwischenglieder auch immer – Einfluss zu nehmen, die Gewalttätigkeit praktizieren oder billigen, möge er oder sie solchen Einfluss dafür nutzen, Gewalttäter oder Gewaltgeneigte von diesem falschen Weg abzubringen.

Vermutlich gehen wir dennoch auf einen Winter der Gewalttätigkeit zu. Zu befürchten sind: Gewalt gegen Flüchtlingsunterkünfte; Gewalt gegen Flüchtlinge; Gewalt zwischen Flüchtlingen untereinander; Gewalt von Flüchtlingen gegen die Polizei; gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Teilen von Flüchtlingen und Teilen jener Bevölkerung, in deren Mitte so viele Flüchtlinge nun wohnen; Gewalt zwischen den Gegnern und den Befürwortern von unterschiedlichen Kursen in der Einwanderungs- und Integrationspolitik.

Jeder und jede mit Chancen darauf, zur Verhinderung oder wenigstens Eindämmung solcher Gewalttätigkeit etwas zu unternehmen, möge diese Chancen tatkräftig nutzen. Andernfalls ruinieren wir nämlich unser freiheitliches Gemeinwesen und dessen – mühsam genug aufgebaute – zivilisierte politische Kultur. Wir haben aber kein anderes Gemeinwesen, und wir werden einmal verlorene Zivilität so schnell nicht zurückgewinnen können. Also geht diese Herausforderung uns alle an. Werden wir ihr gerecht – jeder und jede dort, wo er oder sie politisch agiert!

 

Bildquelle: http://kjr-bayreuth.de/sites/kjr-bayreuth.de/files/styles/teaser/public/logo1_0.gif?itok=jajVRN1X